FACHKRÄFTE-INDEX
Engineering

Digitalisierung treibt Fachkräftenachfrage - Beitrag von Patrick Schulz, Department Manager Engineering, Hays (Schweiz) AG

Die Nachfrage nach Fachkräften in der Schweiz hat sich in gut drei Jahren fast verdoppelt. Dieses starke Wachstum ist international einzigartig. In absoluten Zahlen bedeutet es, dass im zweiten Quartal 2018 in der Schweiz 4429 Ingenieure gesucht wurden.

Die Hays (Schweiz) AG hat den Fachkräfte-Index (FKI) in diesem Jahr komplett neu aufgestellt. Im Bereich Engineering werden nun spezifischere Berufsqualifikationen unterschieden als in der Vergangenheit. Den Referenzwert 100 bildet neu das erste Quartal 2015. Seither ist der Index in der Schweiz auf 186 Punkte im ersten Quartal 2018 und 192 Punkte am Ende des zweiten Quartals 2018 gestiegen; die Nachfrage hat sich also in gut drei Jahren fast verdoppelt. Dieses starke Wachstum ist international einzigartig.

In absoluten Zahlen bedeutet es, dass im zweiten Quartal 2018 in der Schweiz 4429 Ingenieure gesucht wurden. Darunter sind 931 Entwicklungsingenieure, beispielsweise für Antriebstechnik, Automatisierung, Elektrotechnik, Hardware, Maschinenbau und Mechatronic sowie 939 Elektroingenieure. Der Nachfrageanstieg verlief weitgehend gleichförmig, ohne ausgeprägte Booms oder Einbrüche. In der Schweiz wirken sich allerdings globalwirtschaftliche und nationalpolitische Faktoren besonders deutlich auf den Arbeitsmarkt aus. So hatte der Frankenschock im Januar 2015 durchaus einschneidende Konsequenzen. Über einen Zeitraum von etwa sechs bis neun Monaten ging die Nachfrage deutlich zurück.

 

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Der jüngste starke Anstieg in der Nachfrage nach Ingenieuren reflektiert aus Sicht von Hays vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung. Zusätzlich zu den etablierten Spezialisierungen werden neue Skills insbesondere in der Softwareentwicklung gesucht. In der Folge wird das Portfolio der nachgefragten Spezialisierungen immer breiter. Ein gutes Beispiel ist die Gebäudetechnik, zu der Heizung, Lüftung, Klimaanlagen, Rollläden und Storen zählen – also klassische Bereiche der Mechanik und Elektrik. Fenster und Raumlüftung müssen sich heute allerdings per App kontrollieren lassen. Seit ein oder zwei Jahren suchen die Unternehmen deswegen verstärkt auch Softwareentwickler, die die entsprechenden Schnittstellen zu mobilen Geräten programmieren.

In der Ostschweiz, im Raum Zürich und in Liechtenstein sind besonders die klassischen Ingenieurdisziplinen gefragt. Mit Hilti und ThyssenKrupp gibt es am Standort Liechtenstein gleich zwei international führende Grossunternehmen für Maschinenbau. ThyssenKrupp entwickelt hier Produkte mit Fokus auf den Automotivebereich. Weil der Anspruch an die Qualität so hoch ist, lassen sich solche Komponenten auch in einem Hochlohnland wie Liechtenstein entwickeln.

Seit etwa zwei Jahren sorgen auch Elektroautos für eine hohe Nachfrage nach Spezialisten. Zwar entstehen in der Schweiz keine kompletten Fahrzeuge, doch wichtige Komponenten etwa für die Ladetechnik und elektromagnetische Verträglichkeit werden durchaus hierzulande entwickelt. Auch in der Eisenbahnindustrie ist die Schweiz auf internationalem Parkett stark präsent. Hier gibt es die weltweit höchste Zugdichte; demzufolge sind die Schweizer Unternehmen in der Entwicklung und Weiterentwicklung der Eisenbahntechnik führend.

Beispielsweise hat ABB ein grosses Retrofit-Projekt in Schweden durchgeführt. Selbst ein Hochlohnland wie die Schweiz kann also Entwicklungsaufträge in anderen europäischen Staaten gewinnen, wenn die Qualität wichtiger ist als der Preis.

Zu den Besonderheiten des Schweizerischen Fachkräftemarktes zählt das regionale Spezialistentum. So sind im Grossraum Basel dank der Pharmaindustrie Ingenieure in der Medizintaltechnik stark vertreten. Auch im Raum Luzern/Zug ist die Medizinaltechnik präsent. Dort erlebte die Nachfrage nach Spezialisten für die Entwicklung und Produktion von vollautomatisierten Blutanalysegeräten zuletzt den grössten Zuwachs. Die zunehmende Industrialisierung in Asien, allen voran China und Indien, führt zu einem grossen Bedarf an Geräten aus der Medizinaltechnik zur Ausstattung der Krankenhäuser. Da in diesen Ländern viele Patienten gleichzeitig behandelt werden, sind grosse Geräte gefragt, die in der Schweiz zwar nicht benötigt, aber inzwischen entwickelt werden.

In der Westschweiz überwiegen die kleinen und mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 100 Mitarbeitern. Diese greifen bei der Rekrutierung von Fachkräften gern auf externe Unterstützung zurück. Erst in den letzten zwei bis drei Jahren hat sich in der Romandie Englisch als Firmensprache etabliert. Das heisst, die Kommunikation funktioniert mittlerweile sehr viel besser als noch vor wenigen Jahren, als sich Kandidaten ohne sehr gute Französischkenntnisse kaum vermitteln liessen. Das wiederum vereinfacht die Rekrutierung von Spezialisten.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Zur vereinfachten Lesbarkeit wird bei den Positionsbezeichnungen nur die männliche Form verwendet, auch wenn die Anzeigen sich gleichermaßen an Männer und Frauen richten.