FACHKRÄFTE-INDEX
Sales & Marketing

Sales und Marketing boomen in der Schweiz - Beitrag von von Jelena Süsstrunk, Senior Consultant Sales & Marketing – Permanent Recruitment bei Hays (Schweiz) AG

Seit 2011 veröffentlicht Hays in den deutschsprachigen Ländern seinen Fachkräfte-Index (FKI) für verschiedene Berufskategorien wie Ingenieure und IT-Experten. Für die erste Jahreshälfte 2018 wurde zum ersten Mal in der Schweiz auch die Nachfrage nach Fachleuten in den Bereichen Verkauf und Marketing ausgewiesen, die seit 2015 erhoben wird.

 

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Grosse Nachfrage und gleichzeitig hohe Arbeitslosigkeit
Analog zur Entwicklung des Gesamt-Indexes über alle erfassten Branchen hinweg hat sich in der Schweiz auch die Nachfrage im Bereich Sales & Marketing seit Anfang 2015 annähernd verdoppelt – auf 188 Indexpunkte. Bei den Online-Marketing-Managern stieg der Wert im gleichen Zeitraum sogar auf 282 Indexpunkte. Besonders bemerkenswert ist die absolute Zahl von 11 622 offenen Stellen am Ende des zweiten Quartals 2018. Damit werden für Marketing und Sales fast so viele Spezialisten gesucht wie für die drei Skill-Felder Finance, Engineering und Life Science zusammen.

Diese hohen Werte haben selbst die Berater von Hays überrascht, denn sie entsprechen nicht unbedingt dem Eindruck, den ein Personaldienstleister im operativen Alltag gewinnt. Auf den höheren Stufen gilt das Marketing als spezialisiertes Segment in einem relativ geschlossenen Markt. Wechselt eine Führungskraft die Stelle, wird die freiwerdende Position in der Regel mit einer anderen erfahrenen Person wieder besetzt, so dass letztlich vor allem die bekannten Gesichter ihre Plätze tauschen.

Trotz der hohen Zahl an offenen Positionen für Hochqualifizierte fällt das Marketing insgesamt unter die Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von über 8 Prozent, für die seit 1. Juli 2018 die Stellenmeldepflicht gilt. Arbeitgeber müssen also alle offenen Positionen im Marketing den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) melden, woraufhin die dort registrierten Stellensuchenden einen zeitlichen Vorsprung von fünf Tagen erhalten, bevor das Angebot öffentlich publiziert werden darf.

Kommunikation und Field Marketing
Das Marketing ist dafür bekannt, dass es eine breite Palette an Berufsgattungen umfasst. Aufgaben der Marketingkommunikation – etwa die Produktion von Broschüren oder Website-Inhalten – werden teilweise auch ins Ausland verlagert. Gerade international tätige Unternehmen siedeln das Marketing gern in Deutschland an und setzen in der Schweiz nur eine Person ein, die die Koordination übernimmt und die lokalen Anliegen einbringt.

Strategische Aufgaben innerhalb des Marketings werden am ehesten dem Field Marketing zugeordnet, wo eine enge Abstimmung mit dem Vertrieb erforderlich ist. Hier wird unter anderem entschieden, welche Produkte am Markt platziert werden und in welcher Form dies geschieht.

Neue Positionen in der IT-Industrie
In der IT-Industrie profitieren Marketingspezialisten von den zahlreichen Entwicklungen rund um die fortschreitende Digitalisierung. Kommunikation und Vertrieb können nicht ohne weiteres von etablierten auf neue Bereiche eines Unternehmens übertragen werden – hier sind zusätzliche Fachkräfte gefragt, schon allein um die Wissensvermittlung zu gewährleisten. Hinzu kommt, dass der Siegeszug der Cloud oder die wachsenden Anforderungen an die Sicherheit zu zahlreichen Gründungen von Start-ups oder von Niederlassungen ausländischer Anbieter geführt hat.

Für Letztere ist der hiesige Markt interessant: Auf kleinem Raum findet sich in der Schweiz ein breiter und stabiler Mittelstand, in dem man bereit ist, in die Umsetzung der Digitalisierung und in Sicherheitsmassnahmen zu investieren. Und selbst wenn die Produkte im Ausland hergestellt oder sogar Dienstleistungen im Ausland erbracht werden, ist eine Vertriebsmannschaft vor Ort unentbehrlich, was zu einem Anstieg an qualifizierten und spezialisierten Sales-Positionen führt.

Diese Rahmenbedingungen bestimmen auch die Anforderungen an die Kandidaten. In einem «People Business» wie dem Enterprise Computing sind Verkäufer und Berater nötig, die den Schweizer Markt kennen und über ein regionales Netzwerk verfügen. Vor ein paar Jahren waren die Firmen noch eher bereit, Kandidaten aus dem Ausland auch für den Verkauf einzustellen. Heute kommen beispielsweise Kandidaten mit deutschen Wurzeln oft nur dann in Frage, wenn sie schon viele Jahre in der Schweiz gelebt und gearbeitet haben.

Einstieg in die berufliche Laufbahn in der Pharma-Industrie
In der Pharma-Industrie, um eine andere Branche herauszugreifen, kommen für Positionen im Vertrieb oft nur Kandidaten in Frage, die ein fachspezifisches Studium abgeschlossen haben. Hier gilt der Bereich Marketing & Sales denn auch oft als Einstieg für Hochschulabsolventen. Im Verkauf lernen sie die Kunden und deren Bedürfnisse wie auch die Produkte und Prozesse kennen. Nach wenigen Jahren wechseln diese Spezialisten intern gezielt in eine andere Position, wodurch laufend neue Positionen im Vertrieb frei werden.

Höhere Anforderungen
Es bleibt bemerkenswert, dass im Bereich Marketing & Sales einerseits die Nachfrage nach Spezialisten, andererseits aber auch die Arbeitslosenquote sehr hoch ist. Ein wichtiger Grund dafür dürften neue und differenzierte Anforderungsprofile sein, die fundierte Kenntnisse rund um Technologien und Tools wie SEO, SEA, Big Data, Analytics oder auch SalesForce voraussetzen und am Markt nicht ausreichend verfügbar sind. Darüber hinaus kommt es gerade im Marketing häufig vor, dass die Erwartungen eines Unternehmens und die Qualifikationen des Kandidaten – und damit oft auch die Lohnvorstellungen – ganz einfach nicht ausreichend übereinstimmen.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Zur vereinfachten Lesbarkeit wird bei den Positionsbezeichnungen nur die männliche Form verwendet, auch wenn die Anzeigen sich gleichermaßen an Männer und Frauen richten.