Kein einfacher Job im Vorstellungsgespräch:
„Stellen Sie Ihren Lebenslauf vor“

Trotz aller Innovationen und Technologien, die den Prozess der Arbeitssuche in den letzten Jahren revolutioniert haben, hat sich eines nie geändert: In nahezu jedem Vorstellungsgespräch nimmt Ihr Gesprächspartner Ihre Bewerbungsunterlagen zur Hand, blättert schnell sowohl über das Deckblatt Ihrer Bewerbung als auch über das Anschreiben, gelangt zum Lebenslauf und fordert Sie anschliessend auf, sich zu präsentieren. „Stellen Sie mir doch bitte mal Ihren Lebenslauf vor und beschreiben Sie mir, was Sie in Ihren bisherigen Jobs gemacht haben“, lautet die Bitte oft.

Wenn Sie dies hören, möchte Ihr Gesprächspartner, dass Sie Ihren Lebenslauf mit Leben füllen. Sie sollen erläutern, welche Erfahrungen in Ihrer ganz persönlichen Geschichte beweisen, dass Sie für die zu besetzende Stelle die richtige Wahl sind. Er sucht aber auch nach dem Gegenteil – die Leichen, die Sie im Keller haben und die dazu führen, dass Ihre Unterlagen aus dem Stapel an Bewerbungen aussortiert werden. Für Sie ist dieser Teil der Jobsuche nicht der einfachste. Insbesondere, wenn Sie schon viele Arbeitsstellen hatten und Ihr Werdegang somit umfangreich ist. Sie müssen für Ihren Lebenslauf eine Strategie entwickeln und entscheiden, wo sie beginnen, welche Punkte besonders erwähnenswert sind und wie Sie dafür sorgen, dass der Gesprächspartner interessiert bleibt.

Daher sollten Sie sich Ihre Antwort auf diese gängige Frage im Voraus überlegen und die Kompetenzen und Erfahrungen herausarbeiten, die zeigen, wie gut Sie auf die Stelle passen. Geben Sie dem Gesprächspartner die Informationen, die er braucht, um eine Entscheidung zu treffen, und sorgen Sie für den besten Einstieg in Ihr Interview.

Den Lebenslauf nach einem bestimmten Muster vortragen

Es empfiehlt sich, den Lebenslauf im Interview chronologisch von hinten nach vorn durchzugehen. Halten Sie sich an dieses Muster, erzählen Sie eine zusammenhängende und positive Entwicklungsgeschichte. In den meisten Fällen bedeutet das, mit der letzten Ausbildungsstätte, also z. B. der Hochschule, zu beginnen und dann über alle Stellen in Ihrem Lebenslauf bis zum heutigen Tag zu gelangen.

Fassen Sie sich kurz, wenn Sie von all Ihren Erfahrungen berichten. Insbesondere dann, wenn es sich um berufliche Stationen handelt, die schon lange zurückliegen oder die nur von kurzer Dauer waren. Erklären Sie, wie eine Stelle zur nächsten geführt hat. So kommen Sie irgendwann automatisch zur aktuellen Situation.

Vor dem Vorstellungsgespräch das Stellenangebot analysieren

Einige Teile Ihrer Ausbildung und Berufserfahrung sind relevanter für die Stelle, auf die Sie sich bewerben, als andere. Deshalb ist es wichtig, vor dem Jobinterview die Ausbildungsteile und beruflichen Erfahrungen zu markieren, die zum Stellenangebot passen. Was unmarkiert bleibt, erfordert weniger Aufmerksamkeit.

Ein Beispiel: Sie haben an der Universität drei Jahre lang Informatik studiert und seitdem ein Jahr lang als Trainee im Vertrieb gearbeitet. Anschliessend waren Sie zwei Jahre lang als Vertriebsmitarbeiter tätig und wechselten danach in ein neues Unternehmen als Key Account Manager. Jetzt bewerben Sie sich auf eine Stelle als Vertriebsleiter. In diesem Fall sollten Sie mehr Zeit vorsehen, um über Ihre Erfahrung als Key Account Manager zu berichten. Das bedeutet aber nicht, dass Sie die anderen Teile Ihres Werdegangs vollständig unter den Tisch fallen lassen sollen.

Teile Ihres Lebenslaufs, die Sie nur anreissen sollten

Die Berufserfahrungen, die für die angestrebte Stelle nicht oder zumindest weniger relevant sind, im oben genannten Beispiel also die Zeit als Trainee, müssen Sie trotzdem kurz ansprechen. Wenn Sie diese Abschnitte in Ihrem Berufsleben einfach ignorieren, könnte das dahingehend missverstanden werden, dass Sie versuchen, etwas zu verheimlichen. Geben Sie deshalb einen kurzen Überblick über die jeweilige Stelle und darüber, wie Sie zu dieser gekommen sind. Etwa so:

„Nachdem ich mein Informatikstudium mit 2,1 abgeschlossen hatte, wusste ich nicht genau, in welche Richtung es gehen sollte. Deshalb richtete ich bei der Stellensuche in Jobbörsen meinen Fokus auf einen Job, bei dem ich breite Erfahrungen sammeln und Querschnittskompetenzen erwerben konnte. Ausserdem hatte ich gerne mit Menschen zu tun. Nach mehreren erfolglosen Suchen in diversen Jobportalen unterbreitete mir ein Personalberater ein Jobangebot als Trainee im Vertrieb bei einem seiner Kunden – das erschien mir für den Einstieg sinnvoll und alles nahm seinen Lauf.“

Teile Ihres Lebenslaufs, die Sie hervorheben möchten

Wenn Sie eine Berufserfahrung betonen möchten, geben Sie einen kurzen Überblick über die Stelle und diejenigen Verantwortungsbereiche, die zu der Stelle passen, auf die Sie sich bewerben. Das heisst in diesem Fall die Erfahrung als Key Account Manager. Sie müssen hier nicht in allen Einzelheiten von Ihren Fähigkeiten und Erfolgen berichten, da dafür während des restlichen Gesprächs noch ausreichend Zeit bleibt, insbesondere wenn Sie kompetenzbasierte Fragen beantworten sollen. Darüber hinaus liegt dem Unternehmen höchstwahrscheinlich auch noch Ihre Bewerbungsmappe mit aussagekräftigen Informationen vor. Stellen Sie deshalb lediglich dar, wie Sie zu der Stelle gekommen sind, welche Aufgaben mit Bezug zur Stellenausschreibung Sie dort erfüllt haben und weshalb Sie sich entschieden haben, den nächsten Schritt zu gehen. Zum Beispiel:

„Nach einem Jahr als Vertriebsmitarbeiter habe ich darüber nachgedacht, welcher Teil der Arbeit mir am meisten Spass macht. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich es mag, bestehende Klienten zu betreuen und neue Kunden zu akquirieren. Deshalb habe ich beschlossen, auf dem Stellenmarkt nach Jobangeboten zu suchen, bei der diese beiden Aspekte eine noch grössere Rolle spielen. Nachdem ich einige Zeit lang auf diversen Stellenbörsen keine passenden Stellenanzeigen gefunden habe, habe ich daraufhin bei einem Personaldienstleister eine Initiativbewerbung abgegeben. Auf diesem Weg bin ich als Key Account Manager zu meinem derzeitigen Arbeitgeber gekommen. In meiner Rolle verhandle ich mit Entscheidern wichtiger Bestandskunden und suche darüber hinaus neue Abnehmer mit grossem Auftragsvolumen. Nach zwei Jahren im Unternehmen habe ich aber jetzt für mich erkannt, dass ich bereit für die nächste Herausforderung bin. Ich wünsche mir eine Stelle mit zusätzlicher Verantwortung und disziplinarischer Führung mehrerer Personen. Deshalb freue ich mich so über das heutige Vorstellungsgespräch.“

Lücken im Lebenslauf erklären

Bereiten Sie sich auch darauf vor, etwaige Lücken in Ihrem Lebenslauf zu erklären. Auch hier müssen Sie nicht in die Details einstiegen, aber wenn Ihr Lebenslauf eine Beschäftigungslücke von drei Monaten oder länger aufweist, sollten Sie zumindest erklären, was Sie während dieser Zeit gemacht haben. Pausen in Ihrer Karriere sind in Ordnung, sofern Sie Ihrem Gesprächspartner erklären können, wie Sie sich in dieser Zeit beschäftigt haben, egal ob Sie studiert haben, familiäre Verpflichtungen hatten oder auf Reisen waren. So könnten Sie dies schildern:

„Zwischen meinen Beschäftigungen bei X und Y war ich auf Reisen, um meine kulturellen Erfahrungen auszubauen und selbstständiger zu werden. Deshalb war ich drei Monate lang mit dem Rucksack in Südostasien unterwegs.“

Bewerbung scheitert häufig an der falschen Antwort

Die Tatsache, dass die Frage nach dem Lebenslauf in Vorstellungsgesprächen eigentlich immer gestellt wird, bedeutet nicht, dass sie in der Regel besonders gut beantwortet wird. Ganz im Gegenteil: Da viele das Gefühl haben, dass es sich hierbei um die am einfachsten zu beantwortende Frage handelt („Da kenne ich mich aus, schliesslich war ich dabei!“), wird sie in der Vorbereitung häufig übersehen. Diese Hausaufgabe ist allerdings enorm wichtig – planen Sie, worauf Sie den Schwerpunkt legen und wie Sie diesen veranschaulichen wollen. Passen Sie Stil und Fokus dem Unternehmen und der Stelle, auf die Sie sich bewerben, an.

Die Antwort auf die Frage kann darüber entscheiden, ob Sie holprig oder grossartig in Ihr Vorstellungsgespräch starten. Gelingt der Einstieg in das Jobinterview nicht, kann der durch das gute Bewerbungsschreiben gewonnene positive Eindruck schnell verblassen. Wenn Sie sich im Vorhinein überlegen, wie Sie Ihre Geschichte erzählen und welche Teile Sie besonders herausstellen wollen, liefern Sie Ihrem Gesprächspartner einen kurzen, zusammenhängenden Überblick über Ihren Hintergrund und legen eine gute Grundlage für den Rest des Vorstellungsgesprächs.