FACHKRÄFTE-INDEX
Information Technology

Quartal 1 und 2/2016

Fragen an Timo Kranz, Consultant Permanent im Bereich IT-Skills
bei der Hays (Schweiz) AG

Wie ist Ihre grundsätzliche Einschätzung der Stellenmarktentwicklung im Bereich IT? Sehen Sie die Lage positiv oder negativ?
Nach einem klaren Einbruch im zweiten Quartal 2015 infolge des starken Schweizer Frankens hat sich der Markt wieder stabilisiert, und die Unsicherheit legt sich. Nach der deutlichen Zurückhaltung im zweiten Quartal des letzten Jahres zeigte sich die Nachfrage zum Jahresende hin vergleichsweise robust und normalisiert sich nun wieder auf dem Stand von 2013. Es ist hier auch weiterhin mit einem leicht positiven Trend zu rechnen.

Hays-Fachkräfte-Index Gesamtnachfrage nach IT-Spezialisten Q1 und Q2/2016 - Schweiz

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Bei der Nachfrage nach Webentwicklern ist zwischen dem zweiten Quartal 2015 und dem ersten Quartal dieses Jahres ein hoher Ausschlag auszumachen – der im vergangenen Quartal aber jäh gestoppt wurde. Was ist hier geschehen, woher kam dieser Ausschlag nach oben? Ist die Hausse bereits wieder vorbei?
Die Nachfrage nach Webentwicklern lag im 1. Quartal 2016 zum ersten Mal wieder auf ähnlichem Niveau wie beim Allzeithoch von 2014. Diesen Anstieg erklären wir uns mit verschiedenen Faktoren: Zum einen sehen wir bei vielen Unternehmen einen klaren Trend hin zu Webtechnologien und mobilen Lösungen und weg von Desktopapplikationen. Zum anderen gewinnen Technologien wie zum Beispiel Python und Django im Webumfeld an Popularität. Diese Tools gelten als mächtiger als andere Webtechnologien und eröffnen Entwicklern damit mehr Möglichkeiten.
Dass die Hausse vorbei ist, denke ich nicht. Es ist wichtig, den gleitenden Trend zu beobachten, der klar nach oben zeigt. Zusätzlich sollte man auch darauf achten, wie die Positionen ausgeschrieben sind: Viele Berufsbezeichnungen in der Entwicklung können etwas irreführend sein, weil diese nicht klar definiert sind. So gibt es zum Beispiel Unternehmen, die Positionen als UI/UX-Designer ausschreiben, laut Anforderungen aber eigentlich einen Webentwickler suchen.

Auffällig ist die Entwicklung im Skill-Bereich Projektleiter. Diese Spezialisierung ist die einzige, deren Nachfrage seit Jahresmitte 2015 ununterbrochen wächst. Heisst das, dass die Unternehmen wieder mehr IT-Projekte in Angriff nehmen?
Wir spüren einen positiven Trend, was neue IT-Projekte betrifft. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren die Modernisierung ihrer IT verschlafen und müssen dies nun nachholen. Es gilt, Applikationen web- und mobilefähig zu machen und die Infrastruktur effizienter aufzustellen – mittels Automatisierung oder auch mit Cloudlösungen. Auch gibt es einige Unternehmen, die Innovationsprojekte in Angriff nehmen, um so „First Mover“ im Markt zu sein.

Das Nachfragewachstum nach Beratern (allgemeine IT-Berater und SAP-Berater) hat sich im zweiten Halbjahr 2015 hingegen als nicht sehr nachhaltig erwiesen. Also doch kein verbreitetes Anstossen neuer Projekte?
Das hängt davon ab, wie der Begriff IT-Berater definiert wird. Jemand mit Allrounderkenntnissen ist im Markt weniger gefragt als Leute mit Spezialwissen. Gerade im SAP-Markt sind Spezialisten in einzelnen Modulen noch immer Mangelware und deshalb weiterhin gesucht. Die Grenzen zwischen Projektleitern und IT-Beratern sind aber manchmal fliessend: Der Titel IT-Berater kann genauso Projektleitertätigkeiten beinhalten, weshalb er dann oft in IT-Projektleiter abgewandelt wird.

Hays-IT-Fachkräfte-Index nach Skill Q1 und Q2/2016 - Schweiz

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Worauf achten Unternehmen mit freien Positionen bei der Besetzung ihrer Stellen?
Ganz allgemein sehen wir eine zunehmende Wichtigkeit von Studienabschlüssen, sei dies im Softwareentwicklungs- oder im IT-Infrastrukturumfeld. Oftmals verlangen die Unternehmen nicht nur einfach ein erfolgreich abgeschlossenes Studium, sondern werten auch die erzielten Noten als wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Kandidaten.

Inwiefern wird sich der Ausstieg Grossbritanniens aus der EU auf den IT-Fachkräftemarkt auswirken?
Ich denke, dass der IT-Fachkräftemarkt nicht direkt vom Brexit beeinflusst wird. Der Ausstieg Grossbritanniens bringt aber Unsicherheit und zunehmende Instabilität für die europäische Wirtschaft mit sich, was sich wahrscheinlich auf die gesamte Wirtschaftslage in Europa auswirken wird. Dieser Effekt könnte den Arbeitsmarkt mittelfristig etwas dämpfen; eine Erholung dürfte jedoch ebenso schnell folgen.

Wagen Sie eine Prognose für die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2016?
Es gibt mehrere Anzeichen, die mich zuversichtlich machen. Die Nachfrage nach IT-Spezialisten wird weiterhin steigen und zwar in einem ähnlichen Masse, wie wir es seit Mitte 2015 erleben.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung aller Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen sowie der meistfrequentierten Online-Jobbörsen. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2011.