FACHKRÄFTE-INDEX
Information Technology

Anstieg in der Nachfrage nach IT-Fachkräften - Beitrag von von Dominik Rainer, Department Manager Permanent Recruitment bei Hays (Schweiz) AG

Hays hat seinen Fachkräfte-Index (FKI) in diesem Jahr komplett neu aufgestellt. Im Bereich IT werden nun mehr und spezifischere Berufsqualifikationen unterschieden als in der Vergangenheit. Den Referenzwert 100 bildet neu das erste Quartal 2015. Seither ist der Index in der Schweiz auf 184 Punkte im ersten Quartal 2018 und auf 205 Punkte am Ende des zweiten Quartals 2018 gestiegen – die Nachfrage hat sich also in gut drei Jahren mehr als verdoppelt. Dieses starke Wachstum ist international einzigartig. In absoluten Zahlen bedeutet es, dass im zweiten Quartal 2018 in der Schweiz 18 715 IT-Experten gesucht wurden. Mit Hilfe des FKI lässt sich also der oft zitierte Fachkräftemangel beziffern und visualisieren.

Kandidaten sind schwieriger zu bekommen
Tatsächlich beobachteten die Berater von Hays einen stetigen Anstieg der Nachfrage während der letzten drei Jahre. Dies betrifft sowohl die Tätigkeitsfelder Individual- und Standardsoftware wie auch SAP- und Web-Entwicklung. Einer Verdopplung entspricht der subjektive Eindruck allerdings nicht. Weil passende Kandidaten immer schwieriger zu finden sind, warten die Kunden heute oft länger und schreiben dieselbe Stelle über mehrere Quartale hinweg aus, was den Index etwas überhöht haben mag. Der markante Anstieg in den letzten zwei Quartalen könnte darüber hinaus mit der Stellenmeldepflicht zusammenhängen: Möglichweise sind vor dem Inkrafttreten der Meldepflicht am 1. Juli 2018 noch viele offene Jobs ausgeschrieben worden. Über die gesamte Branche hinweg ist die Arbeitslosigkeit in der IT zwar niedrig, im Supportbereich gibt es jedoch durchaus Stellensuchende.

Zu den markttreibenden Faktoren gehört eindeutig die Entwicklung, die man landläufig mit dem Schlagwort Digitalisierung umschreibt. Viele traditionelle Geschäftsmodelle sind langfristig nicht mehr zukunftssicher. Deswegen bauen zahlreiche Firmen neue Abteilungen auf, und zwar nicht mehr wie bisher mit Unterstützung von externen Beratern, sondern aus Eigeninitiative. Ziel ist es, zum Beispiel interne Prozesse zu automatisieren oder den Onlinehandel zu stärken. Letzteres gilt durchaus auch im B2B-Bereich, wo Produktbestellungen zunehmend über Onlineportale abgewickelt werden. So entstehen völlig neue Tätigkeitsfelder und auch Berufsbezeichnungen, zum Beispiel der Chief Digital Officer. Hinzu kommt, dass die rasant wachsende Datenmenge gespeichert und administriert werden muss. Hier sind Architekten und Datenspeicherspezialisten gefragt, die On-Premise-, Private-Cloud- oder SharePoint-Lösungen konzipieren.

In der Startup-Szene sind IT-Fachkräfte gesucht
Ein nennenswerter Teil der in den letzten Jahren hinzugekommenen Nachfrage nach IT-Spezialisten geht auf das Konto von Startups. Die FinTech-Szene in Zug und die App-Entwickler in Zürich sind dank des nachhaltigen Wirtschaftswachstums der letzten Jahre gesund aus dem Stadium von wenigen Mitarbeitern herausgewachsen und nun aktiv auf der Suche nach zusätzlichen Spezialisten. Sie haben aber noch nicht die Grösse erreicht, dass es sich lohnen würde, ein Nearshore-Center einzurichten.

Es gab in den letzten drei Jahren allerdings auch Faktoren, die die Nachfrage vorübergehend hemmten. Einerseits führte der Frankenschock im Januar 2015 dazu, dass manche Firmen in der herstellenden Industrie auf Kurzarbeit umstellen mussten. Nach etwa einem halben Jahr hatte sich die Situation wieder normalisiert, zumal die Unternehmen ja auch davon profitierten, dass sie günstiger importieren konnten. Die Abstimmung zur Masseneinwanderungsinitiative hingegen hat einen Imageschaden für die Schweiz verursacht, der länger nachwirkt. Ausländer zögern nun, bevor sie mit ihrer Familie in ein fremdes Land ziehen, in dem sie sich nicht willkommen fühlen. Das gilt umso mehr, als die wirtschaftliche Lage in den an die Schweiz grenzenden Regionen in Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich zurzeit ausgezeichnet ist.

Die meisten Kandidaten leben in der Schweiz
Betrachtet man die einzelnen Spezialisierungen, so zeigt sich, dass in den letzten sechs Monaten insbesondere die Nachfrage am SAP-Markt wieder stark angezogen hat, wo sich der Frankenschock stärker als in anderen Bereichen ausgewirkt hatte. Für SAP Hybris, S/4HANA, aber auch im klassischen SAP FI/CO ist der Bedarf so gross, dass ein echter Fachkräftemangel herrscht. Im DevOps-Bereich, also an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Administration der Systeme, gibt es ebenfalls eine starke Nachfrage, genauso wie rund um die Themen Business Intelligence und Data Science. Auch Experten für Full-Stack- und Web-Entwicklung sind sehr gefragt.

Im Bereich IT-Infrastruktur stammen die Kandidaten zu über 80 Prozent aus der Schweiz. In der Softwareentwicklung sind ca. 40 Prozent Schweizer und weitere 20 Prozent aus Deutschland und Österreich. Nur sehr vereinzelt begegnet man nicht deutschsprachigen Experten. Nearshoring findet heutzutage vor allem in Osteuropa statt, in Polen, Ungarn, der Slowakei, Serbien und Russland. Die Qualifikation der dortigen IT-Experten hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert. Meist wird nicht die komplette Entwicklung ausgelagert; ein Team mit zehn Entwicklern hat typischerweise zwei bis drei Application Manager vor Ort in der Schweiz und sieben bis acht Kräfte im Ausland. Die vor einigen Jahren noch übliche Konstellationen mit zwanzig Entwicklern in Indien kommt heute praktisch nicht mehr vor.

Auch die Generation 50+ hat wieder eine Chance
Innerhalb der Schweiz verteilt sich die Nachfrage geografisch entsprechend dem Vorkommen der Industrieunternehmen. In der Ostschweiz, im Zürcher Oberland und im Aargau sind zahlreiche Mittelständler der herstellenden Industrie ansässig. Die grössten Softwarehäuser des Landes sind die Finanzdienstleister. Dementsprechend gibt es eine hohe Nachfrage in Zürich, Zug, Luzern und Genf. Unternehmen der Medizinaltechnik sind im Raum Zürich und Basel zu Hause. Die Pharmakonzerne in Basel unterhalten sogar eigenständige Recruiting-Teams für IT. Hays ist dementsprechend vor allem bei grossen Mittelständlern unterstützend tätig, deren Firmenname sich noch nicht branchenübergreifend als Marke etabliert hat.

Die Personalberater beobachten eine Reihe von übergeordneten Trends. Da die Bereitschaft, in die Schweiz zu ziehen, abgenommen hat, stehen weniger qualifizierte Bewerber aus dem deutschsprachigen Raum zur Verfügung als früher. Folglich öffnen sich die Unternehmen allmählich auch für nicht deutschsprechende Kandidaten, sofern es die Softwareentwicklung betrifft und der Skill-Set perfekt passt. Ausserdem hiess es noch bis vor kurzem, dass Kandidaten in einem Alter über 50 praktisch nicht vermittelbar seien. Das ist heute nicht mehr so. Experten im Alter von 55, ja selbst 59 Jahren können noch interessant sein, auch weil sie dem Unternehmen über mehrere Jahre hinweg treu bleiben und für Kontinuität und Wissensvermittlung sorgen.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Zur vereinfachten Lesbarkeit wird bei den Positionsbezeichnungen nur die männliche Form verwendet, auch wenn die Anzeigen sich gleichermaßen an Männer und Frauen richten.


Schweizer Firmen suchen weniger IT-Fachkräfte

Der leichte Abwärtstrend der vergangenen Monate setzte sich fort, wie die neuen Zahlen zeigen. Die Gesamtnachfrage sank leicht auf 121 Punkte. Im dritten Quartal stand der Index noch bei 126 Punkten. Im Jahresvergleich sank er um 7 Punkte. Besonders stark war in den vergangenen 12 Monaten der Rückgang bei den IT-Beratern. Der Index sank hier um 42 Punkte. Dies hänge damit zusammen, dass die Begriffe "IT-Berater" und "Consultant" bei den Kandidaten negativ besetzt seien. Die betreffenden Stellen würden deshalb immer ofter als "Entwickler" ausgeschrieben.

Hays-Fachkräfte-Index Gesamtnachfrage nach IT-Spezialisten Q3 und Q4/2017 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Auch Netzwerkadministratoren, Webentwickler und SAP-Berater sind weniger gefragt als noch vor einem Jahr. Letztere konnten allerdings im vierten Quartal auf tiefem Niveau einen Anstieg verbuchen - die einzige Steigerung des gesamten Index im Vergleich zum dritten Quartal. Dominik Rainer, Department Manager Permanent bei Hays Schweiz, sieht die Fachkräfte-Situation in der Schweiz durch drei Faktoren beeinflusst: Automatisierung, Temporäranstellungen und Spezialisierung. Immer mehr Vorgänge würden automatisiert, was zur Folge habe, dass für das klassische Administratorprofil immer weniger Nachfrage bestehe. Die fortschreitende Digitalisierung der Unternehmen sowie die Neuausrichtung von Banken und Versicherungen hin zu Web und Mobile führten ausserdem zu einem erhohten Bedarf an Fachspezialisten zur Umsetzung einzelner Projekte. Nach Abschluss der Projekte bestehe für die Auftraggeber dann kein Bedürfnis, alle Beteiligten im Unternehmen zu halten.

Generalisten weniger gefragt

Den stärksten Wandel sieht Rainer bei den Stellenprofilen. "Die Nachfrage im Schweizer IT-Arbeitsmarkt bewegt sich weg vom Generalisten und konzentriert sich immer mehr auf einzelne Spezialisierungen", sagt Dominik Rainer. Bei den Themen Blockchain, Big Data, Data-Science oder Cloud seien Fachkräfte gefragt, bei den klassischen Legacy-Bereichen sei die Nachfrage rücklaufig. Dies habe mit den vergleichsweise hohen Kosten in der Schweiz zu tun. "Die reine Wartung bestehender Anwendungen ohne innovative Impulse lässt sich im Near- oder Offshore-Umfeld günstiger umsetzen. Darüber hinaus macht der Trend zu verteilten Systemen und zur Cloud die Beschäftigung grosser Teams für Client-Server-Lösungen in der Schweiz unnötig." Der Rückgang des Fachkräfte-lndex soll nicht anhalten. Neue Budgets für Personal und neue Projekte in Verbindung mit dem gestiegenen Frankenkurs liessen ein Anziehen der Nachfrage erwarten. Zum Jahresbeginn 2018 zeige der Index bereits wieder eine "stark steigende Tendenz", sagt Rainer.

Hays-IT-Fachkräfte-Index nach Skill Q3 und Q4/2017 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Zur vereinfachten Lesbarkeit wird bei den Positionsbezeichnungen nur die männliche Form verwendet, auch wenn die Anzeigen sich gleichermaßen an Männer und Frauen richten.


Fragen an Dominik Rainer, Department Manager Permanent
bei der Hays (Schweiz) AG

Die Gesamtnachfrage nach IT-Spezialisten ist im letzten halben Jahr leicht angestiegen von 128 Punkten auf 138. Hays hatte vor einem halben Jahr einen Anstieg vorausgesagt. Welche übergeordneten Entwicklungen und Trends beobachten Sie? Sehen Sie Ihre Prognose bestätigt?
Ja, wir sehen unsere Prognose durchaus bestätigt, und dies nicht zuletzt aufgrund einer Umkehr des Offshoring-Trends. Mehr und mehr unserer Kunden schärfen ihre Strategie nach und holen Key-Knowledge-Positionen zurück in die Schweiz, um die Abstimmung zwischen den einzelnen Fachbereichen zu optimieren.

Hays-Fachkräfte-Index Gesamtnachfrage nach IT-Spezialisten Q1 und Q2/2017 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Die Anfrage nach Anwendungsentwicklern und Netzwerkadministratoren ist hoch wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Wo sehen Sie die Gründe dafür?
Unternehmen, die die Digitalisierung und Automatisierung vorantreiben wollen, haben einen erhöhten Bedarf an spezialisierten Fachkräften für die Anwendungsentwicklung, den sie nicht aus den eigenen Reihen decken können. Bei den Netzwerkspezialisten hingegen ist es aus unserer Sicht weiterhin das Thema Globalisierung, das im Moment den Kandidatenmarkt bestimmt. Ganz allgemein ist der Markt für Unternehmen mit offenen Stellen in den letzten Monaten zusehends schwieriger geworden, und die klassischen Wege der Rekrutierung greifen immer weniger. Auch die Mundpropaganda, die besonders unter IT-Spezialisten der gleichen technologischen Umgebung über lange Zeit als guter Kanal galt, ist nicht mehr so erfolgreich wie bisher. Dies führt zu einem Anstieg der Anzeigen in diesen Bereichen, da selbst Unternehmen, die bisher aus dem eigenen Netzwerk heraus wachsen konnten, nun in Anzeigen und Dienstleister investieren.

Die Zuwanderung hat in den letzten zwei Jahren deutlich nachgelassen. Können Schweizer Unternehmen noch ausreichend IT-Spezialisten finden?
Aufgrund der Frankenstärke stagnieren die Saläre seit 2015. Gleichzeitig verzeichnen die bisherigen Zuwandererländer Deutschland, Österreich und Polen starkes Wachstum. Dies – und die in Deutschland zeitweise recht negative Presse – hat dazu geführt, dass weniger Kandidaten einen Wechsel in die Schweiz anstreben. Langfristig wird diese Entwicklung den ohnehin angespannten Markt noch stärker zugunsten der Kandidaten beeinflussen. Mittelfristig werden die Unternehmen mehr in die Weiterbildung ihrer bestehenden Fachkräfte investieren müssen, da für ihre offenen Stellen keine Kandidaten mehr verfügbar sein werden, die die benötigten Fertigkeiten zu hundert Prozent abdecken.

Was würden Sie Hochschulabsolventen empfehlen, wie sie für die nächsten Jahre möglichst attraktiv für Arbeitgeber bleiben können?
Gerade in der IT-Branche ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben. Wir raten jedem Arbeitnehmer, sich stets mittels Lehrgängen, nebenberuflichen Schulungen und ähnlichem auf dem Laufenden zu halten. Darüber hinaus sollte man aktiv in Usergroups teilnehmen, ein Blog führen und Plattformen wie Github nutzen, um das eigene Können publik zu machen. Wer sich Flexibilität und Neugier gegenüber aktuellen Entwicklungen bewahrt, erhöht seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt massiv im Vergleich zu jenen, die über Jahre hinweg stets nur die gewohnten Pfade beschreiten.

Hays-IT-Fachkräfte-Index nach Skill Q1 und Q2/2017 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Was empfehlen Sie einem Recruiter in einem grossen Konzern? Wie lassen sich in einem von der Nachfrage bestimmten Markt neue Fachkräfte – noch dazu die geeignetsten – gewinnen?
Heute ist dazu ein gutes Mitarbeitermarketing unerlässlich. Negative Aussagen von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern sind enorm schädigend. Der Aufbau einer attraktiven Marke am Arbeitsmarkt erfordert jedoch Fleiss und Zeit. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten und welche Sicherheit ein Unternehmen bietet, ist für die Arbeitnehmer in den hart umworbenen Bereichen von entscheidender Bedeutung – es ist oft sogar wichtiger als das Salär. Recruiter in grossen Konzernen, die ja meist über sehr gute Mitarbeiterentwicklungsstrategien verfügen, sollten diese Vorzüge auch herausstellen und offen kommunizieren. Darüber hinaus erlangt die persönliche Ansprache über Social-Media-Kanäle zusehends an Bedeutung; wer sich dort hervorheben möchte, sollte personalisiert und ehrlich kommunizieren.

Können Sie schon absehen, wie sich die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte entwickeln wird?
Wir sind optimistisch, dass der positive Trend anhält und die Nachfrage weiter zunimmt. Um angesichts dessen auch zukünftig Vakanzen besetzen zu können, verfolgen wir gemeinsam mit unseren Kunden umfangreiche Strategien – unter anderem mit massgeschneiderten Relocation-Lösungen.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der index Internet und Mediaforschung GmbH für Hays. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie dem Business-Netzwerk XING. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2015. Zur vereinfachten Lesbarkeit wird bei den Positionsbezeichnungen nur die männliche Form verwendet, auch wenn die Anzeigen sich gleichermaßen an Männer und Frauen richten.


Fragen an Timo Kranz, Consultant Permanent im Bereich IT-Skills
bei der Hays (Schweiz) AG

Wie ist Ihre grundsätzliche Einschätzung der Stellenmarktentwicklung im Bereich IT? Sehen Sie die Lage positiv oder negativ?
Nach einem klaren Einbruch im zweiten Quartal 2015 infolge des starken Schweizer Frankens hat sich der Markt wieder stabilisiert, und die Unsicherheit legt sich. Nach der deutlichen Zurückhaltung im zweiten Quartal des letzten Jahres zeigte sich die Nachfrage zum Jahresende hin vergleichsweise robust und normalisiert sich nun wieder auf dem Stand von 2013. Es ist hier auch weiterhin mit einem leicht positiven Trend zu rechnen.

Hays-Fachkräfte-Index Gesamtnachfrage nach IT-Spezialisten Q1 und Q2/2016 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Bei der Nachfrage nach Webentwicklern ist zwischen dem zweiten Quartal 2015 und dem ersten Quartal dieses Jahres ein hoher Ausschlag auszumachen – der im vergangenen Quartal aber jäh gestoppt wurde. Was ist hier geschehen, woher kam dieser Ausschlag nach oben? Ist die Hausse bereits wieder vorbei?
Die Nachfrage nach Webentwicklern lag im 1. Quartal 2016 zum ersten Mal wieder auf ähnlichem Niveau wie beim Allzeithoch von 2014. Diesen Anstieg erklären wir uns mit verschiedenen Faktoren: Zum einen sehen wir bei vielen Unternehmen einen klaren Trend hin zu Webtechnologien und mobilen Lösungen und weg von Desktopapplikationen. Zum anderen gewinnen Technologien wie zum Beispiel Python und Django im Webumfeld an Popularität. Diese Tools gelten als mächtiger als andere Webtechnologien und eröffnen Entwicklern damit mehr Möglichkeiten.
Dass die Hausse vorbei ist, denke ich nicht. Es ist wichtig, den gleitenden Trend zu beobachten, der klar nach oben zeigt. Zusätzlich sollte man auch darauf achten, wie die Positionen ausgeschrieben sind: Viele Berufsbezeichnungen in der Entwicklung können etwas irreführend sein, weil diese nicht klar definiert sind. So gibt es zum Beispiel Unternehmen, die Positionen als UI/UX-Designer ausschreiben, laut Anforderungen aber eigentlich einen Webentwickler suchen.

Auffällig ist die Entwicklung im Skill-Bereich Projektleiter. Diese Spezialisierung ist die einzige, deren Nachfrage seit Jahresmitte 2015 ununterbrochen wächst. Heisst das, dass die Unternehmen wieder mehr IT-Projekte in Angriff nehmen?
Wir spüren einen positiven Trend, was neue IT-Projekte betrifft. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren die Modernisierung ihrer IT verschlafen und müssen dies nun nachholen. Es gilt, Applikationen web- und mobilefähig zu machen und die Infrastruktur effizienter aufzustellen – mittels Automatisierung oder auch mit Cloudlösungen. Auch gibt es einige Unternehmen, die Innovationsprojekte in Angriff nehmen, um so „First Mover“ im Markt zu sein.

Das Nachfragewachstum nach Beratern (allgemeine IT-Berater und SAP-Berater) hat sich im zweiten Halbjahr 2015 hingegen als nicht sehr nachhaltig erwiesen. Also doch kein verbreitetes Anstossen neuer Projekte?
Das hängt davon ab, wie der Begriff IT-Berater definiert wird. Jemand mit Allrounderkenntnissen ist im Markt weniger gefragt als Leute mit Spezialwissen. Gerade im SAP-Markt sind Spezialisten in einzelnen Modulen noch immer Mangelware und deshalb weiterhin gesucht. Die Grenzen zwischen Projektleitern und IT-Beratern sind aber manchmal fliessend: Der Titel IT-Berater kann genauso Projektleitertätigkeiten beinhalten, weshalb er dann oft in IT-Projektleiter abgewandelt wird.

Hays-IT-Fachkräfte-Index nach Skill Q1 und Q2/2016 - Schweiz

Zum Vergrößern bitte Bild anklicken

Worauf achten Unternehmen mit freien Positionen bei der Besetzung ihrer Stellen?
Ganz allgemein sehen wir eine zunehmende Wichtigkeit von Studienabschlüssen, sei dies im Softwareentwicklungs- oder im IT-Infrastrukturumfeld. Oftmals verlangen die Unternehmen nicht nur einfach ein erfolgreich abgeschlossenes Studium, sondern werten auch die erzielten Noten als wichtiges Kriterium für die Beurteilung der Kandidaten.

Inwiefern wird sich der Ausstieg Grossbritanniens aus der EU auf den IT-Fachkräftemarkt auswirken?
Ich denke, dass der IT-Fachkräftemarkt nicht direkt vom Brexit beeinflusst wird. Der Ausstieg Grossbritanniens bringt aber Unsicherheit und zunehmende Instabilität für die europäische Wirtschaft mit sich, was sich wahrscheinlich auf die gesamte Wirtschaftslage in Europa auswirken wird. Dieser Effekt könnte den Arbeitsmarkt mittelfristig etwas dämpfen; eine Erholung dürfte jedoch ebenso schnell folgen.

Wagen Sie eine Prognose für die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2016?
Es gibt mehrere Anzeichen, die mich zuversichtlich machen. Die Nachfrage nach IT-Spezialisten wird weiterhin steigen und zwar in einem ähnlichen Masse, wie wir es seit Mitte 2015 erleben.

Der Hays-Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung aller Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen sowie der meistfrequentierten Online-Jobbörsen. Den Referenzwert von 100 bildet das 1. Quartal 2011.